Das Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, inwiefern Coffein Stress-induzierten Haarschäden, die durch das Corticotropin-releasing Hormon (CRH) in Haarfollikeln ausgelöst werden, effektiv entgegenwirken kann.
Dabei zeigt sich, dass Coffein die negativen Stressreaktionen und Haarwachstumshemmungen, welche durch CRH als Stresshormon entstehen, signifikant reduzieren kann. Dies ist ein weiterer Beleg, dass Coffein gesundes Haarwachstum fördert und sogar stressbedingtem Haarausfall entgegenwirken kann.
Das menschliche Haar reagiert auf Stress sehr empfindlich. Man geht davon aus, dass der Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie, AGA) durch Stress verschlimmert wird. Ein möglicher Grund dafür ist das Vorhandensein eines Äquivalents der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse – oder Stress-Achse (HPA-Achse) – in den Haarfollikeln der Kopfhaut.
In dieser Forschungsarbeit wurde in einem ex vivo Haarorgankultur-Modell (HOKM) eine Antwort in dieser Stress-Achse erzeugt, indem das sogenannte Corticotropin-Releasing Hormone (CRH) in menschlichen, männlichen Haarfollikeln angesteuert wurde, die eine Prädisposition von erblich bedingtem Haarausfall aufwiesen.
Der positive Einfluss von Coffein in diesem Modellsystem wurde in früheren Arbeiten nachgewiesen. Hier zeigte Coffein sich als Gegenspieler des das Haarwachstum hemmenden Hormons Testosteron. Im Haarorgankulturmodell (HOKM) wurde nun untersucht, ob Coffein CRH-vermitteltem Stress in Haarfollikeln entgegenwirken kann.
Haarfollikel wurden aus dem von erblich bedingtem Haarausfall betroffenen Areal (Vertex-Areal) per Biopsie entnommen und im Haarorgankulturmodell mit CRH (10-7 M) mit (0.001 %, 0.005 %) und ohne Coffein kultiviert.
Im Vergleich zum Kontrollexperiment steigerte CRH in diesem Modell signifikant die Expression bestimmter Marker wie das die Katagenphase einleitende TGF-β2 (p<0.001), CRH-Rezeptoren 1/2 (p<0.01), ACTH (p<0.001) und Melanocortinrezeptor-2 (MC-R2) (p<0.001) sowie weitere mit Stress assoziierte Parameter wie Substanz P und den p75 Neurotrophin-Rezeptor. CRH hemmte dagegen die Proliferation von Matrixkeratinozyten sowie die Expression von IGF-1, einem die Anagenphasen fördernden Marker, und den pro-proliferativen Rezeptor des Nervenwachstumsfaktors (TrkA).
Coffein wirkte in diesem Modell den beschriebenen Stresseffekten signifikant entgegen. Außerdem konnte zum ersten Mal eine Steigerung von IP3-R durch Coffein in menschlichen Haarfollikeln nachgewiesen werden. Diese ex vivo-Ergebnisse in menschlichen, androgenetischen Haarfollikeln liefern einen ersten Nachweis dafür, dass der Stressmediator CRH nicht nur eine komplexe intrafollikuläre HPA-Antwort auf Stress, sondern auch eine dem HPA nicht zugehörige Stressantwort erzeugt.
Weiterhin konnte gezeigt werden, dass diesen Effekten durch die Zugabe von Coffein effektiv entgegengewirkt werden kann. Daher stützen diese Daten die Hypothese, dass Stress die Physiologie der menschlichen Haare beeinträchtigen und Haarausfall verursachen kann. Dies liefert erste Hinweise dafür, dass Coffein in der Lage zu sein scheint, stressinduzierten Haarschädigungen entgegenzuwirken und stressinduziertem Haarausfall vorzubeugen.
Diese ex vivo-Studie zeigt den positiven Einfluss des Coffeins auf den stressbedingten, menschlichen Haarausfall bei Prädisposition von androgenetischer Alopezie.
Der positive Effekt von Coffein auf das Haarwachstum ist durch frühere ex vivo Untersuchungen an männlichen und weiblichen menschlichen Haarfollikeln(1, 2) sowie in vivo(3-7) bekannt. Zum ersten Mal konnte nun die CRH-Induzierung auf die HPA-Stress-Achse in männlichen menschlichen Haarfollikeln (HF) aus Biopsien des kahl werdenden Vertexbereichs von Männern mit erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie, AGA) gezeigt werden.
Fischer TW, Bergmann A, Kruse N, Kleszczynski K, Skobowiat C, Slominski AT, Paus R. (2021): New effects of caffeine on corticotropin-releasing hormone (CRH)-induced stress along the intrafollicular classical hypothalamic-pituitary-adrenal (HPA) axis (CRH-R1/2, IP3 -R, ACTH, MC-R2) and the neurogenic non-HPA axis (substance P, p75NTR and TrkA) in ex vivo human male androgenetic scalp hair follicles. Br J Dermatol.;184(1):96-110.
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